Chronologie
des Integrationsmodells Ortsverband
Duisburg e.V.
1990 Gründungsjahr
Im Oktober 1990 gründete sich der Verein „Integrationsmodell“ Ortsverband Duisburg e.V.“. Viele Jahre zuvor trafen sich Menschen mit und ohne Behinderung in regelmäßig stattfindenden interessen bezogenen Gruppen und gestalteten so einen Teil ihrer Freizeit gemeinsam. Das dynamische Miteinander führte selbstverständlich auch zur Auseinandersetzung mit Lebensfragen. Es entfachte die Diskussion darüber, welche Zukunftsperspektiven jeder einzelne für sich sieht und in welcher Form Behinderungen eine Hürde darstellen. Insbesondere die Frage nach der geeigneten und den jeweiligen Bedürfnissen entsprechenden Wohnform nahm einen breiten Raum ein. Und damit fing alles an. Dass die Menschen mit einer Behinderung zur Verwirklichung des selbstbestimmten Wohnens Begleitung brauchen war klar und auch, dass diese individuell gewährleistet werden muss. Die ganze Sache braucht einen offiziellen Rahmen. Dieser wurde durch die Vereinsgründung geschaffen.
1991 Eine feste
Anlaufstelle
Es wird immer wichtiger, eine feste Anlaufstelle für die
Betroffenen, deren Angehörige und Freunde zu schaffen. Das erste Ladenlokal, Im
Schlenk 66, Duisburg-Wanheimerort, wird am 01.04.1991 angemietet.
Ehrenamtliche machen sich stark für den weiteren Aufbau. Viele unterschiedliche Freizeitmaßnahmen werden angeboten: Frauenfreizeit, Nähkurs, Weihnachtsmarkt, offener Treff, Theatergruppe. Zur Vorbereitung auf das zukünftige eigenverantwortliche Leben wird ein Selbständigkeitstraining eingerichtet. Wir begeben uns auf die Suche nach geeignetem Wohnraum. Gleichzeitig werden die ersten ABM-Anträge gestellt und eine davon kurz darauf bewilligt. Fortlaufende Finanzierungsmöglichkeiten werden überlegt. Weitere Anträge werden vorbereitet, die mit einer Bedarfsanalyse an die Stadt Duisburg gerichtet werden.
1992 Die ersten
Klienten
Die Wohnungssuche für zwei erste Bewerber gestaltet sich schwieriger als erwartet. Grund war nicht nur das knappe Angebot auf dem Wohnungsmarkt, sondern Vorbehalte und Vorurteile vieler Eigentümer. Wir bissen in den sauren Apfel und mieteten zwei Wohnungen, die mit viel Engagement der zukünftigen Bewohner, ihrer Betreuer und weiterer ehrenamtlicher Helfer renoviert werden mussten.
1993 Finanzierung
durch die Stadt Duisburg
Im Februar 1993 wird auch die zweite ABM-Stelle um ein Jahr verlängert. Am 01.05.1993 wird die nächste Wohnung in Duisburg-Hochfeld angemietet und renoviert. Zwei weitere Klienten werden betreut. Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es auch gleich weiter. AM 01.08.1993 wird ein Haus in Duisburg-Ruhrort angemietet. Auch dieses muss komplett wohngemeinschaftstauglich ungebaut werden. Am 01.11.1993 ziehen die WG-Bewohner dort ein (4 Einzelwohnungen / 1 Hausgemeinschaft). Noch immer ist die Finanzierung unklar. Der Landschaftsverband Rheinland lehnt die Kostenübernahme ab. Wir nehmen verstärkt Kontakt zur Stadt Duisburg auf mit dem Erfolg, dass diese sich sehr kooperativ zeigt. Ende 1993 erhalten wir die schriftliche Zusicherung für die Kostenübernahme unter der Maßgabe der individuell anfallenden Betreuungs- / bzw. Begleitungsmöglichkeiten.
1994 Konsolidierung /
festes Team / Bezugspersonen /
Konzeptüberarbeitung
Anfang 1994 werden aufeinander folgend die ersten festen Arbeitsverträge abgeschlossen. Gegen Ende 1994 kommen zwei weitere feste Arbeitskräfte hinzu. Das Mitarbeiterteam ist damit so gewachsen, dass die Klienten jeweils feste Bezugspersonen haben und die Begleitung der Betreuten auf eine vernünftige Basis gestellt werden kann. Die Sorge um die Zukunft nimmt ab, die Konzentration kann nun ganz auf die pädagogische Arbeit gerichtet werden. Neue Ideen entstehen im Sinne der Lebensgestaltung der Betreuten. Das Konzept wird ein erstes Mal überarbeitet. Unsere Geschäftsstelle bietet mittlerweile nicht mehr genug Platz für die umfangreicher werdende Verwaltungstätigkeit, Betreuungsgespräche und die verschiedenen Freizeitangebote. Im Juni 1994 ziehen wir in den Schlenk 28. Der noch heute bestehende Kochkurs beginnt. Der Alphabetisierungskurs wird fortgesetzt. Alle Freizeitangebote finden statt unter der Maßgabe, den Betreuten den Schritt nach draußen zu ermöglichen, bzw. zu erleichtern und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.
1995 Das
Zirkusprojekt
Rasant wird es im Jahre 1995. Vier weitere Klienten ziehen in eigene Wohnungen. Zwei Teilzeitstellen können eingerichtet werden. Wir erhalten als Sachspende neue Büromöbel. Das erste Zirkusprojekt wird in Kooperation mit dem BdkJ (Bund der katholischen Jugend) und dem KJA (Katholisches Jugendamt) vorbereitet und durchgeführt. In Kursen wird den Teilnehmern die Kunst des Jonglierens, der Akrobatik, der Clownerie und der Zauberei vermittelt. Die Kurse setzen sich gleichermaßen aus Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Hemmschwellen werden schnell überwunden. Alle arbeiten gemeinsam auf den Höhepunkt der Veranstaltung, die abschließende Zirkusvorstellung hin. Seither wird das Projekt mit wechselnden Partnern wiederholt und hat bis heute an Faszination nicht verloren.
1996 Team und
Klientenzahl wachsen rasant
Mitte 1996 wird ein Haus in Duisburg-Rheinhausen angemietet. Sechs weitere Klienten können umziehen. Die ersten internen Umzüge finden statt. Weitere Mitarbeiter werden eingestellt. Das multidisziplinäre Team ist nun auf neun Personen erweitert. Daneben existiert ein sehr aktiver Vorstand. Neben bestehenden dauerhaften Freizeitangeboten, wie der Stammtisch und der Kochkurs, wird mit einigen der Klienten und deren Freunden eine Segeltour geplant. Die Büroräume reichen nicht mehr aus. Wir mieten ein zusätzliches Ladenlokal an. Ein regelmäßiges „Vereinsfrühstück“ wird eingeführt. Es bietet die Möglichkeit des Austauschs zwischen Klienten, Mitarbeitern, Vorstand und sonstigen Interessierten. Wir feiern unser 5-jähriges Jubiläum.
1997 Jahr der
Öffentlichkeitsarbeit
Nachdem nun alle Klienten und auch die Mitarbeiter sich eingelebt haben, wechseln einige Betreute ihre Wohnungen. Zum Teil haben sie ein höheres Maß an Selbständigkeit erworben oder möchten in anderen sozialen Bezügen leben. Ein Schattentheater- und ein Musikprojekt finden statt. Das Zirkusprojekt wird in Zusammenarbeit mit der Gesamtschule Meiderich durchgeführt. Aufgund unseres Erfolges beim Zirkusprojekt, werden wir für öffentliche Festivitäten engagiert. Wir beginnen verstärkt mit der Öffentlichkeitsarbeit, u.a. weil die Freizeitaktivitäten nur durch zusätzliche Geldquellen finanziert werden können. Gerade die Freizeitarbeit stellte von Anfang an ein wichtiges Moment des Vereinslebens dar. Sie war und ist ein Netzwerk für alle Beteiligten / Betroffenen, aus dem viele Impulse kommen und jeder Kraft schöpft.
1998 Umstellung der
Finanzierung
Wir beteiligen uns aktiv am DPWV Aktionstag, der veranstaltet wurde mit dem Ziel, ähnlich gelagerte Einrichtungen zu vernetzen. In diesem Jahr finden ein Reiterwochenende, der Frauenkurs und ein Kickerturnier statt. Die Finanzierung des Projektes wird von nun an vom LVR (Landschaftsverband Rheinland) gewährleistet. Lange kooperative Verhandlungen führten zur Übernahme der Kosten im Rahmen der Richtlinien für „Betreutes Wohnen“ und somit nach individuellen Maßstäben. Die Finanzierung ist damit grundsätzlich gesichert. Um Sachkosten zu sparen, ziehen wir um in andere Büroräume. Unsere heutige Geschäftsstelle an der Mülheimer Str. 192, in Duisburg-Neudorf wird nach umfangreichen Renovierungsarbeiten durch ehrenamtliche Vereinsmitglieder im Oktober 1998 eröffnet.
1999 Incafetti
Am 16.07.1999 erlebt der Verein die erste Hochzeit. Zwei Klienten heiraten und ziehen in eine gemeinsame Wohnung.
Durch den Erlös der „Pfennigaktion“, der Spendeninitiative aller städtischen Angestellten Duisburgs, kann in den Büroräumen des Vereins ein Treff eingerichtet werden, der nun Raum und Atmosphäre für Treffen jeglicher Art bietet: Das Incafetti.
Gemeinsam mit anderen Ortsverbänden wird ein Zirkusprojekt erstmals in eigener Regie veranstaltet. Dieses wird finanziert durch die Stiftung des Landes NRW für Wohlfahrtspflege.
2000 – 2006
Wir bilden ein Team aus 17 Mitarbeitern mit unterschiedlichen Qualifikationen. Momentan werden 38 Menschen mit Behinderung betreut (22 Männer, 16 Frauen). Der Verein zählt ca. 100 Mitglieder.
Leistungsträger für das Betreute Wohnen ist der Landschaftsverband Rheinland.
Neben der Einzelbetreuung bilden weiterhin Gruppenangebote ein wichtiges Moment bei der psychosozialen Begleitung. Vorrangig mit dem Ziel, die soziale Kompetenz des einzelnen zu erweitern und somit die Möglichkeit der Eingliederung in das soziale Umfeld zu erweitern, werden bedarfsgerecht Gruppenangebote installiert. Hierzu gehören z.B. Kochgruppen, Selbständigkeitstraining, Frauen- und Männergruppen, Circusprojekte, offene Freizeitgruppen.
Ebenfalls finden verschiedene Urlaubs- und Freizeitmaßnahmen statt, wie z.B. Fahrradtouren, Segeltouren, Frauen- und Männerfreizeiten.
Während der Kreativfreizeit im November 2005 wurden Bilder von Teilnehmern selbst erstellt. Sie drücken in ihren Werken ihre Zukunftswünsche aus.
15.- jähriges Jubiläum
Am 09. Februar 2006 feierten wir unser 15-jähriges Jubiläum.
Wir freuten uns über die persönlichen Worte der Bürgermeisterin Frau Doris Janicki.
Im Rahmen einer Vernisage, stellten wir die Bilder "So stelle ich mir meine Zukunft vor" aus.
Am 16. September 2010 werden wir das 20-jährige Jubiläum feiern.